Unter welchen Bedingungen werde ich – Mensch – selbst zum Monster?

Zimbardo, Phillip: Der Luzifereffekt.2007 Das ist in Phillip Zimbardos Luzifereffekt nachzulesen. Der Paradepsychologe Zimbardo weiß wovon er spricht, war er doch selbst vielfach als Sachverständiger in entsprechenden Fällen eingesetzt. Er beschreibt und erklärt die Vorkommnisse um Abbu Graib genauso wie den Massenselbstmord der Mitglieder einer Sekte, der in den 80ern auch auf unsere Bildschirme flimmerte. Letztlich geht es darum wie wir uns zum Bösen verführen lassen, wie wir uns manipulieren lassen, und wie wir dem ein Ende setzen können.

Wie entstehen Feinbilder?

Omer, H., Alon, N. & Schlippe, A. v. (2007). Feindbilder: Psychologie der Daemonisierung. Goettingen: Vandenhoeck & Ruprecht

…Ein kaufenswertes Buch….

Konflikte….

Was müssen zwei tun um unaufhaltsam zu eskalieren? z.B.
– den „End“Sieg anstreben
– die ausschließliche Situationsdefinition für sich beanspruchen
– durch verdächtigen und misstrauen sich selbst bestätigende negative Beschreibungen der Wirklichkeit erzeugen
– glauben genau zu wissen wer od. wie der andere ist, und was oder wie der andere denkt


Omer et al. verweisen auf das Ergebnis einer Paaruntersuchung: „Was der eine vermutet, was der andere über ihn/sie denkt, und was der andere vermutet, was der eine von ihm/ihr denkt.“ Das ist entscheidend für die Konfliktspirale. Diese antizipierten Erwartungshaltungen verselbständigen sich und führen zu verzerrten Wahrnehmungen des anderen. Wir deuten neutrales und sogar positives Verhalten des anderen fehl. Aus meinen falschen Überzeugungen entspringt dann ein Verhalten von mir, auf das der andere wieder entsprechend reagiert, sodass ich mich schließlich in meiner Meinung über den anderen selbst bestätige. Destruktive Muster erzeugen sich quasi selbst.


Omer et al. nehmen auch Bezug auf psychologische Alltagstheorien, die dabei eine sehr gefährliche Rolle spielen können. Als Menschen tendieren wir dazu unserem Mitmenschen tief in die Seele blicken zu wollen. Wir unterstellen ihm gerne sogar ihm selbst unbewusste Motive, wie früher die Inquisatoren die Hexen verfolgten, und absolut alles als Beweis dafür deuteten, neigen wir auch als „aufgeklärte“ Menschen dazu uns Leid als Folge irgendeiner Form des Bösen im anderen zu erklären. Für dieses Böse haben wir heute freilich andere Begriffe zur Verfügung. Allein das Prinzip sei dasselbe, meinen die Autoren.


Vereinfachungen schaffen immer Sicherheit in einer komplexen, undurchschaubaren Welt.


Omer et al. warnen dabei besonders sollte sich eine Art Erlösungshoffnung einschleichen, und sollten wir die Andersartigkeit des anderen zu betonen beginnen, denn das führe unweigerlich zu einer Dämonisierung.

Wissenschaftliche und alltägliche Bescheidenheit schützt uns am besten: „Wir können einander nicht in den Kopf sehen.“ (Vgl. Omer et al. S.56) und auch als psychosozial Tätige sind wir nicht die ultimativen Heiler, Hellseher und Missionare. Wir helfen gut indem wir trösten, nachfragen, mitfühlen, und durch unsere Umdeutungen zur Entdämonisierung unserer unmittelbaren Umwelt beitragen.